Auf Traumpfaden in Queensland

Der Pilot dreht noch eine Extraschleife, um den Flughafen von Cairns vom Ozean her anzufliegen. Der Überblick lässt mein Herz vor Freude springen: Sonnenstrahlen zwischen den Wolken und darunter hellbraune Felsen, deren Ende der Pazifik in einen weißen Sandstrand ausgefranst hat. Zehn Tage Freiheit im tropisch-paradiesischen Abenteuerland Queensland, wo sich Regenwald, Korallenriff und rote Wüste treffen!
In Australien sind für eine Frau, die alleine unterwegs ist, alle Vorausetzungen geschaffen: Die 20 Millionen Ozzies sind erstens ein freundliches und hilfsbereites Volk, zweitens haben sie ihr Land, das fast doppelt so groß ist wie Europa, gut durch organisiert. Das Wetter ist durchweg schön. Anfang November zu meiner Rundreise antrat, regnete es zum ersten Mal seit 18 Monaten!
Der kleine Ort Cairns im Nordosten des Kontinents, ist keine Attraktion, aber touristischer Umschlagplatz und strategische Basis für Reisen in die Region. Im Schnitt dauert es weniger als eine Stunde, ein Auto zu mieten und eine aktuelle Campingkarte in Händen zu halten. Mobilität ist für den Besucher das Wichtigste, da die Naturwunder in der Gegend die eigentlichen Attraktionen sind.
Ein paar Kurven hinter Cairns steht ein Kulturzentrum der Aboriginies, der Ureinwohner. Hier erzählen sie Ausländern über ihre Lebensweise in der Wildnis; von der qualvollen Eroberung ihres Landes, in dem sie seit über 60.000 Jahren leben. Hört man ihren mystischen Liedern und Geschichten aus der Traumzeit- der Zeit in der die Erde entstand- zu, erfährt man, dass metaphysiche Geister die Landschaft erschufen und die einzelnen Orte mit verschiedenen Kräften zum Beispiel mit besonderer Fruchtbarkeit versahen.
Kuranda, ein Dörfchen auf dem benachbarten Berg in mitten des Regenwaldes, einst Schauplatz wichtiger Regenzeremonien, lockt heute durch den touristischen Kunstmarkt. Beim Kruschen stocke ich angewidert vom Anblick einer riesigen Bratwurst auf dem Dach einer Marktbude. Wie merkwürdig: Im Regenwald auf eine Bedienung mit Dirndl und auf deutscher Schunkelmusik zu treffen. Lieber verbrachte ich ein Stündchen in der Schmetterlingfarm, die gleich neben der Krokodil-und Vogelfarm angesiedelt war.
Ein paar Kilometer weiter Richtung Landesinnere bei Mareeba, wo die Steppen von Atherton (Atherton Tablelands) beginnen, ändert sich das Landschaftsbild: Vulkanisches Gestein färbt den Boden bronzerot, vor kahlen Büschen hüpfen hellbraune Wallabies- eine kleinere Gattung der Beuteltiere. Jetzt bin ich im richtigen australischen Outback- der roten Mitte des Kontinents. Am Campingplatz kaufte ich für einen Dollar den Tourguide, der allein in der Steppe von Atherton auf 100 Attraktionen hinweist, darunter Wasserfälle, Vulkane, Goldminen, chinesische Tempel, viktorianische Dörfer, Mango-, Teebaum- und Erdnussfarmen. Neben Reiten, Skydiven (Luftsurfen) und Balloon fahren, nahm ich für einen weiteren Dollar an einer Kaffeeplantagenführung teil. Abseits des Massentourismus zeigte ein uralter italienischer Einwanderer, seinen noch älteren Betrieb mit den Kaffeeanbaumaschinen und verteilte köstliche Kaffeeproben.
In der Nähe mietete ich einen kühlen Bungalow, um mich für die Schifffahrt zu einem der insgesamt 2900 Riffen des 380000 Quadratkilometer großen Korallenteppichs auszuschlafen.

Unter Wasser erstreckt sich das zwei Millionen Jahre alte Riff, das man als einzige Lebensform auch vom Weltraum aus sehen kann. Den ganzen Tag schnorchelt man über 400 Korallenarten, die aussehen wie eine Mondlandschaft, 1500 Arten von Fischen und zig-tausende andere Tiere, wie Meersschildkröten, Seedrachen, Wasserschnecken, die an Raumschiffe aus dem Film Star Wars erinnern.

Zurück an Land wollte ich vor Einbruch der Nacht auf der kühlen Bergspitze von Kuranda sein. Zwischen Lianen und Millionen Jahre alten Bäumen, befindet sich hier der schönste Campingplatz den ich je gesehen habe. Mein Lager schlug ich schon im Dunkeln auf, als Joey – ein Baby-Wallabie – auf seinen zwei Füssen vorbei hoppelte. Hinter ihm ein älterer Mann in dunkelgrüner Rangerkleidung mit einem Stoffbeutel in der Hand: Professor Rocco – ein Biologielehrer im aktiven Ruhestand – ist der Naturbeauftragte auf dem Platz, der nicht nur Kängurus rettet, Pythons von Zeltdächern holt, sondern auch nachts Besucher durch den Regenwald führt. Rotes Taschenlampen-Licht sehen Tiere nicht, daher fühlen sie sich von abenteuerlustigen Besuchern völlig ungestört, für uns war es aber eine knieerrweichende Wanderung, denn der Professor inszenierte gekonnt dramatisch. Giftige Frösche, Schlangen und Spinnen- alles kreuchte und fleuchte dort durch das dunkle Dickicht.
Nach einer Atmenpause im Regenwald, hiess es weiterziehen; es gab noch soveile zu sehen, zum Beispiel Cape Tribulation- das Kap der Verzweiflung. Der erste weisse Mann, Kapitän James Cook nannte es 1770 so, weil sein Schiff an diesem Ort Leck auf einem Korallenriff lief. Für die 100 Kilometer-Strecke, brauchte ich den ganzen Tag, da es zwischendurch so viel los war: Eine Opalmiene offenbarte die Wunder unter australischem Boden, eine Orchideenfarm die Wunder obenauf. Baden wollte ich entlang der Küstenstrasse nicht mehr, aus Angst vor den Krokodilen aus dem angrenzenden Daintree Fluß. Geselligkeit ja aber nur von Menschen, das suchte und fand ich am Abend in dem Disco- Paradies. Darunter zwei Mädls die als Fruchtpflücker arbeiteten und ein Holländer, der auf dem Mofa unterwegs war in downunder. Nach etlichen Coldies (Carlton Cold-Bier) verbrachte ich eine unheimliche Nacht in meinem Zelt nahe des raschenlden Unterholz.

Übermüdet aber erleichtert, brach ich daher am nächsten Morgen zu meinem letzten Ziel auf: Zur einsamen Insel. Für umgerechnet 15 Euro gibt es eine Fährverbindung inklusive Camping auf Fitzroy-Island, der größten im Umkreis liegenden Insel. Ein Paradies wie im Bilderbuch liegt einem dort zu Füssen. Der Strand besteht aus weissen Korallen, dazu das türkisfarbene Meer, mit dem Regenwald am Ufer und den bunten Korallen im Wasser. Beim Ausblick vom höchsten Punkt der bergigen Insel sieht man Kanuboote, Surfer und Delfine im weiten Blau des Ozeans.
Das Abschieds-Coldie am Strand unter den Sternenformationen der südlichen Hemisphere, die Lichter des blinkenden Flugzeuges am Abendhimmel über der Insel stimmten ein, auf den 15000 Kilometer langen Heimweg ins winterliche Europa.
kk

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